Parabolspiegelscheinwerfer

Foto: Mathematisch-Physikalischer Salon der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden


Parabolspiegelscheinwerfer
von Andreas Gärtner  (1654 bis 1727 )
Funktionsmodell mit freundlicher Genehmigung
der  Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
Mathematisch-Physikalischer Salon.
Gebaut vom Bühnenservice  Stiftung Oper in Berlin
Eigentümerin Staatsoper Unter den Linden
Ein Projekt vom Büro für Bühnentechnik und ihrer Geschichte
Klaus Wichmann







Andreas Gärtner

wurde am 24.12.1654 in Quatitz bei Bautzen geboren.  Nach der Lehre als Tischler ging er durch Europa auf  Wanderschaft. In dieser Zeit erwarb er sich neben handwerklichem Geschick auch umfangreiche Kenntnisse in Geometrie, Astronomie, Optik, Gnonomik (Lehre von der Sonnenuhr), Boulletechnik (Oberflächenveredlung von Möbeln und Kunstgegenständen) und Zivilbaukunst.

Foto: Staatliche Kunstsammlung Dresden

1686 ließ er sich in Dresden nieder und wurde ein Jahr später Hof- und Kunsttischler bei Kurfürst Johann Georg III. Unter Kurfürst Johann Georg IV. erhielt Gärtner zusätzlich eine artilleristische Ausbildung. Von Kurfürst Friedrich August I. wurde Gärtner 1697 zum Hofmechanicus und Modellmeister berufen. Gärtner war eine vielseitige Persönlichkeit, deren Stärke vor allem auf instrumentelle und technischem Gebiet lagen. Er brachte eine Vielzahl an Modellen von Schlössern, Kirchen, Festungs- und Brückenbauten, Mühlen, Pulvertürmen und dgl. in die 1692 gegründete Dresdner Modellkammer ein. Gärtner baute einen Windmesser, ein Universalinstrument zur Messung von Höhen, Breiten und Längen, ein Gerät zur Vorhersage von Ebbe und Flut, uhrwerksgetriebene Planetarien, eine Weltzeituhr, Brennspiegel bis zu einem Durchmesser von 307 cm. Gärtner konstruierte Brückenkräne, Geschütze, Fracht- und Lastwagen sowie Krankenfahrstühle, technische Anlagen wie Wasserleitungen und Feuerspritzen.Besondere Beachtung verdient auch seine Auseinandersetzung mit dem Perpetuum mobile, das er nach eingehenden Studien für unmöglich hielt und für dessen Bau er einen hohen Preis aussetzte. Andreas Gärtner verstarb am 02.02.1727 in Dresden.Sein Grab befand sich auf dem Johanniskirchhof, es ist nicht erhalten.


Abmessungen des Scheinwerfers

Foto: Mathematisch-Physikalischer Salon der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Durchmesser der Spiegelfläche 708 mm

Höhe 1620 mm

Optische Daten:

Scheitel – Brennpunkt 245 mm

Material: Holz, Blech und Glas

Auf einer parabolisch gekrümmten Holzfläche sind 342 quadratische polierte Eisenplättchen mit einer Kantenlänge von 35 mm mittels Eisenschrauben befestigt. Die Spiegelfläche bildet die Rückwand eines aus Holz bestehenden Zylinders, dessen vordere Fläche durch eine Glasscheibe abgeschlossen ist. Der entstehende Raum dient zur Aufnahme einer Lichtquelle, wahrscheinlich einer Öllampe. Der Zylinder besitzt zwei Durchbrüche, der untere für die Einführung der Lichtquelle, der obere für ein Blechrohr zum Abzug der Verbrennungsgase und Wärmeabfuhr. Zwei seitliche Klappen aus Blech ermöglichen das Einstellen der Lichtquelle. Das Gerät diente zur Beleuchtung von Plätzen u.ä. Derartige Spiegelscheinwerfer wurden beim Zeithainer Lustlager 1730 eingesetzt.

 


Zeithainer Lustlager

Vom 31. Mai bis 28. Juni 1730 weilte der preußische König Friedrich Wilhelm I. mit dem Kronprinzen und großem Gefolge und weiteren 48 europäischen Fürsten auf Einladung des Kurfürsten von Sachsen und Königs von Polen, in Mühlberg, unweit von Riesa, anlässlich der größten Manöverspiele seiner Zeit in Europa. Dem sächsischen Kurfürsten ging es dabei um neue politische und strategische Allianzen. Das Streben nach der deutschen Kaiserkrone hatte er noch nicht aufgegeben. Die nordischen Kriege, die Auseinandersetzungen mit Russland und die inneren ständigen Unruhen in Polen hatten ihn wirtschaftlich stark mitgenommen.

Foto: Staatliche Kunstsammlung Dresden

30.000 Soldaten unter dem Oberbefehl von Generalfeldmarschall Graf Wackerbarth zeigten  militärische Übungen. Die Vorbereitung für die Manöverspiele dauerte über ein Jahr. Extra angelegt und gebaut wurden Schlacht- und Backhäuser, Eisgruben zum Frischhalten der Esswaren, 12 Küchen, ein Feldlazarett, ein Feldpostamt, eine Zeltanlage für 4.000 Gäste. Zelte für 30.000 Soldaten, farblich nach den Regimentern gekennzeichnet, 100 Latrinen, ein Hafen für die Flotte, Straßen und Brücken. Die Gesamtleitung und Planung hatte Daniel Pöppelmann, der auch den Festplatz mit 6 Steinpyramiden  und einem königlichen Pavillon in der Mitte errichten ließ. Die Pyramiden wurden mit dem Scheinwerfern von Gärtner beleuchtet, so ist zu lesen: „…an jeder Pyramide war eine runde Leuchte der Größe nach wie ein großer Scheffel zu sehen, die inwendig mit einem Multiplikations-Spiegel Glase besetzet waren, welche die brennende Lampen in unzählige mahl repräsentierete und eine ungemeine Repercussion des Lichtes gab.“ Bei Streumen errichtete er auch großes hölzernes Opernhaus für die Gäste der Manöverspiele.

Die Manövertage endeten mit einem fünfstündigen Feuerwerk bei Riesa an der Elbe vor ca. 20.000 Menschen. Zu diesem Zweck war in monatelanger Arbeit ein riesiges Panorama gemalt und aufgebaut worden. Überliefert ist das Maß von 80 sächsischen Ellen Höhe und einer Breite von 200 sächsischen Ellen; das entspricht ca. 45 m x 115 m. Das Panorama zeigt einen Feenpalast, mit drei Freitreppen, Pilastern, Portalen und Durchlässen.

Ausgeleuchtet wurde das Panorama durch 400 Lampenträger. Das Feuerwerk wurde mit 60 Kanonen, 48 Mörsern, 80 Raketenkästen abgeschossen und mit 24 Feuerrädern vervollständigt. Vor dem Panorama fuhr eine illuminierte Flotte mit feuerspeienden Delphinen und Walfischen vorüber. Über die Kosten des gesamten Unternehmens“ Zeithainer Lustlager“ gibt es keine genauen Angaben. Schätzungen gehen von 1 Mill. Rthl. aus. Gegen das Lustlager gab es von Bauern und Handwerkern große Proteste und Unruhen wegen der starken Beeinträchtigungen, Unannehmlichkeiten und finanziellen Belastungen.


Funktionsmodell

Fotos: Sebastian Barthel



Bei dem Nachbau ging es nicht um eine präzise Kopie des Scheinwerfers, sondern um die Schaffung eines Funktionsmodell. Es kam darauf an, die lichttechnische Wirkung herzustellen um mit ihrer Hilfe Rückschlüsse auf höfische Feste, Redouten, Opern- und Schauspielaufführungen ziehen zu können.

Bei historisch nachvollzogenen Umzügen und Theateraufführungen mit historisch nachgebildeten Dekorationen, Kostümen und Requisiten und gelegentlich mit barocker Bühnenmaschinerie findet die historische Beleuchtungspraxis keine Anwendung. Diese Aufführungen der historischen Aufführungspraxis bleiben unverständlich und entbehren gelegentlich auch nicht einer gewissen Lächerlichkeit. Das Unverständnis beruht der nicht Beachtung der Beleuchtung und auf unser stark verändertes Sehvermögen, verursacht durch die immer stärke Verschmutzung der Umwelt durch Licht. Diese Verschmutzung hat uns blind und abgestumpft für die verschiedenen Nuancen des Lichts gemacht. Deshalb findet das historische Licht in historisch angelegten Aufführungen keine Anwendung, was aber für eine historische Aufführung und ihr Verständnis unabwendbar wäre. Mit dem Nachbau des Scheinwerfers von Gärtner soll Verständnis für die Geschichte des Theaters geweckt werden und Sponsoren angeregt werden weiterer lichttechnische Geräte nachbauen zu lassen.  Bei dem Scheinwerfer von Andreas Gärtner fehlt die Lichtquelle, deshalb konnte bei dem Nachbau nur von Vermutungen ausgegangen werden. Wahrscheinlich hat Gärtner für das Brennmaterial einen Zylinder verwand, damit die Flamme immer im Zentrum des Gerätes blieb. Aus Kostengründen wird er Hammeltalg verwendet haben. Beim Funktionsmodell benutzen wir handelsübliches Lampenöl gemischt mit Brennpaste.


Werkstatt der Theatergeschichte

Seit Jahren bemüht sich ein Verein um die Gründung eines Theatermuseums. Bei der Präsentation einer umfangreichen Publikation über Wilhelm August Iffland beklagte der Direktor des Landesarchiv Berlin Prof. Dr. Uwe Schaper das Fehlen eines Theatermuseums in Berlin.

In Berlin lagern umfangreiche Sammlungen, die nicht nur Bedeutung für Berlin sondern für Deutschland, Europa und das Welttheater haben.

Iffland-Konvolut - Foto: Wichmann

Die Sammlungen von Erwin Piscator, Max Reinhardt, Peter Zadek, Heiner Müller, Schaubühne usw. findet man im Archiv der Akademie der Künste. Das Iffland Konvolut, welches Auskunft über seine Arbeit als Theaterdirektor, Schauspieler und Dichter befindet sich neben den Unterlagen der Staatsoper Berlin im Landesarchiv. Wertvolles Notenmaterial in der Staatsbibliothek.  Die Restbestände des Theatermuseums, das weiteres Archivmaterial der Staatoper und der Berliner Theater mit ihrer zum Teil 270 jährigen Geschichte bis 1945 verwahrte, liegen im Magazin der Stiftung Stadtmuseum oder im Landesarchiv. Im Architekturmuseum der TU befindet sich die erst kürzlich wieder entdeckte Sammlung Friedrich Kranich. In dem Archiv der Theaterwissenschaftler der FU Berlin sind neben der umfangreichen Sammlung Unruh die Entwürfe von Traugott Müller und die techn. Zeichnungen von Julius Richter. Beide sind Mitgestalter der Inszenierungen von Erwin Piscator. Die Firmenunterlagen von Reiche & Vogel sowie die Unterlagen von AEG sind im Technikmuseum Berlin. Die Schillerbriefe des Berliner Theatermuseums befinden sich mit weiteren Schriftstücken im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Frau Dr. Freydank hat über den Verbleib des Bestandes ein spannendes Buch geschrieben.  Viele Sammlungen befinden sich,  in Privatbesitz  zum Beispiel die Sammlung Friedrich Brandt, ein bedeutender Theatertechniker. Der Verein zur Gründung eines Theatermuseums in Berlin besitzt eine barocke Modellbühne und eine umfangreiche Sammlung an Nachbauten historischer Effekgeräten. Außerhalb von Berlin gibt es bei der Firma Gerriets in Freiburg ein Sammlung von Beleuchtungsgeräten und Leuchtmitteln, die Oper Leipzig hat ein theatertechnisches Kabinett, siehe BTR 02/15 ab Seite 26.

Die Akademie der Künste arbeitet zurzeit an der Koordinierung aller Institute und Sammlungen. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Theatermuseum.

 

Über ein vergessenes Theater

Berlin Karlshorst? Ach ja, wurde da nicht am 08.Mai.1945 um 23:01 im Auftrag von Reichspräsident Admiral Karl Dönitz die Urkunde der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht von den Oberbefehlshabern aller Waffengattungen und den Befehlshaber der Alliierten  unterschrieben. Eine ähnliche Zeremonie hatte schon am 07.Mai 1945 in Reims stattgefunden.

Karlshorst war Sperrgebiet, Sitz der sowjetischen Militäradministration  und der Wohnsitz  des ersten Stadtkommandanten von Berlin Generaloberst Nicolai Bersarin (01.04.1904 bis 16.06.1945)

Theater Karlshorst - Foto: Wichmann

 Berlin Karlshorst ist auch der Ort eines vergessenen Theaters, dass in unmittelbarer Nähe der Unterzeichnungsstätte der Kapitulation (heute Deutsch-Russisches Museum und direkt an der S-Bahnstation Karlshorst liegt. Das Theater Karlshorst ist der erste Theaterneubau nach 1945 in Berlin und wahrscheinlich in Deutschland. Den Auftrag zum Bau des Theaters erteilte die sowjetische Militäradministration (SMAD) sie hatte auch die Bauleitung. Der Bau geht auf den Entwurf des Chefarchitekten der Sowjetischen Armee Kriwuschenko zurück. Der Architekt Hans Schaefer (20.01.1907 bis 1991) übernahm den Bau. Hans Schaefer studierte in Berlin und wirkte als Architekt auch überwiegend in Berlin. Herausragende Bauten sind in Berlin zum Beispiel der Erweiterungsbau der Bundesdruckerei, das Hochhaus I. der BFA und die 112 Kleinwohnungen in Berlin Schöneberg.

Das Theater wurde auf dem Gelände des Ausflugslokal  „Deutsches Haus“ der Familie Kupsch in Nähe der größten Hindernisrennbahn errichtet. Das Ausflugslokal im „Dahlem des Ostens“ bot einen Rummelplatz, Schießbuden, Karussells, Tanzsäle, Konditoreien, Weinstuben und Restaurants. Teile des Lokals wurden in den Neubau einbezogen.

Der Grundstein für das „Haus der Offiziere“ im Volksmund „Russenoper“ genannt wurde am 14.02.1948 gelegt und unter großen Schwierigkeiten im August 1949 beendet. Eröffnet wurde es im September 1949. Konzerte, Opern und Schauspiele für die Offiziere der sowjetischen Armee haben von 1947 bis 1949 in der notdürftig reparierten Singakademie, dem heutigen Maxim Gorki Theater, stattgefunden. Die Architektur unterscheidet sich in seiner Schlichtheit und Klarheit wohltuend von dem uns sonst bekannten protzigen stalinistischen Stil. Das Haus ist der erste Theaterneubau nach 1945 und Teil der Reparationenzahlungen. Es verfügt über eine hervorragende Akustik, ideale Sichtverhältnisse und eignet sich vorzüglich für Schauspiel, Oper und Konzert, ganz im Gegensatz zu den anderen Veranstaltungssälen in Berlin, die entweder nur für Schauspiel, Oper oder Konzert  geeignet sind. Der lang gestreckte klar gegliederte Zuschauerraum mit seinem Parkett und Rang fasst ca. 650 Zuschauer.

In architektonischer Authentizität, Größe, Sicht- und Akustikqualität ist das Theater Karlshorst damit in Berlin mit dem Renaissance-Theater, dem Hebbeltheater und dem Maxim Gorki Theater, im umgebauten Haus der Singakademie, vergleichbar. Weitere Theater wären zwar noch  die Theater am Kurfürstendamm. Sie waren aber im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und sind in den 70. Jahren des letzten Jahrhunderts modernisiert und ihres ursprünglichen Aussehens endgültig beraubt worden.

Das Theater wurde bis 1994 von den Angehörigen der Roten Armee genutzt. Ab 1963 hatten auch die Karlshorster Bürger auf Einladung und zu besonderen Anlässen Zutritt zu dem Theater. Dies waren Veranstaltungen der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. In dem Theater traten so große Künstler wie der Geigenvirtuose David Oistrach (1908 – 1974) und die Prima Ballerina Assoluta Galina Ulanowa auf. Es gab Gastspiele des Maxim Gorki Theaters, die auch von den Karlshorstern besucht werden durften.

 Nach dem Fall der Mauer am 09.11.1989 und dem Beitritt der Länder der DDR zur Bundesrepublik am 03.10.1990 sowie dem Abzug der sowjetischen Truppen 1994 ging der Gebäudekomplex in den Besitz der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE. Von 1990 bis 2000 führte Herr Volker Büttner, ehemaliger Chefregisseur des Palastes der Republik, das Theater in privatwirtschaftlicher Form. Nach dem Konkurs wurde das Theater noch zeitweilige von Frau Karin Müller geführt. Sie spielte Operetten, veranstaltete Bunte Abende und vermietete das Theater für Probenarbeiten der staatlichen Bühnen. Das Theater wurde im Jahr 2000 geschlossen. Mehrere Anläufe dem Theater Leben einzuhauchen verliefen bis jetzt im Sande.


Nachbau des Parabolspiegelscheinwerfers

Präsentation in der Beuth-Hochschule am 4. November 2015 anlässlich der DTHG Regionaltagung

Parabolspiegelscheinwerfer vor Texttafeln, rechts: Klaus Wichmann Foto: Wolfgang Wigands


  

 












Projekt 

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