Lampenputzer is meen Vater...

Die Bühnenbeleuchtung vom Talglicht zur Glühlampe

Von Klaus Wichmann


Lampenputzer is meen Vater
im Berliner Stadttheater. Meene Mutter wäscht Manschetten
für Soldaten und Kadetten. Meene Schwester, die Gertrude
steht in eener Selterbude. Schusterjunge is meen Bruda
und ick bin det kleenste Luder!


Dieses Couplet stammt aus dem komischen Zauberballett von Peter Ludwig Hertel: „Die Abenteuer von Flick und Flock“ in der Inszenierung und Choreografie von Paul Taglioni, Premiere am 20.09.1858 in der königlichen Hofoper Berlin. Die Lampenputzer oder auch Lichtaufstecker wie die Beleuchter auch genannt wurden, putzten die Blendspiegel, steckten neue Kerzen auf, füllten die Öllampen, beschnitten die Dochte der Kerzen und der Talglichter und sollten auf die Feuersicherheit im Theater achten. Oft ohne großen Erfolg.

Lampenputzer

Goethe seufzte: 

"Ich wüsste nicht, was sie besseres erfinden könnten, als wenn die Lichter ohne putzen brennten.“

Der Bericht über die Eröffnung der königlichen Hofoper in Berlin 1742 beschreibt den Umfang des Arbeitsfeldes der Lampenputzer.

Es heißt dort nach der Mängelbeschreibung des nicht fertigen Opernhauses: „ Alle die Mängel deckte indessen eine außerordentlich glänzende Beleuchtung zu, die in den beiden ersten Jahren an jedem Abend nicht weniger als 2.771 rtl. kostete, und für den Zuschauerraum, sowie überall, wo das Publikum Zutritt hatte, aus dicken Wachslicht bestand." 



Wachslichter

Diese Wachslichter waren auf  fünf Kronleuchtern an der Decke des Zuschauerraumes, drei Kronleuchter an der Decke des Proszeniums und auf Wandleuchten für die Logen sowie an den Brüstungen vor denselben verteilt.

Königliche Hofoper Berlin Friedrich II. während einer Vorstellung. Das von Knobelsdorff errichtete Berliner Opernhaus 1844

Drei Kronleuchter an der Decke des Proszeniums und auf Wandleuchten für die Logen sowie an den Brüstungen vor denselben verteilt. Die Bühne selbst wurde an der Rampe mit Talgkästen erleuchtet, und an jeder Coulisse, den Zuschauern sichtbar, standen kleine Kästen auf dem Fußboden, in denen ebenfalls Talgnäpfe brannten“.

Von Festaufführungen im Münchner Residenztheater gibt es aus dem Jahr 1776 eine Aufstellung der Beleuchtung. In der Summe sind es 1.300 Flammen. In Versailles sind es bei Festaufführungen bis 3.000 Wachskerzen.  

In der Regel wurden im Zuschauersaal bei höfischen Veranstaltungen nur Wachskerzen verwandt.Die Wachskerzen brannten heller waren geruchsfrei und mussten nicht so oft geputzt werden.Bis zum Anfang des 18. Jahrhundert wurden die Kerzen aus Bienenwachs hergestellt, erst seit 1725 wurden die Kerzen aus Walrath hergestellt. Walrath wird aus dem Pottwal gewonnen. Kerzen aus Stearin gibt es seit 1818 und wird aus Pflanzen gewonnen.1830 entwickelte Karl von Reichenbach ein Verfahren zur Gewinnung von Paraffin aus Erdöl.

Bienenwachskerzen

Im Bühnenbereich wurden die billigeren Talgkerzen verwandt, sie geben weniger Licht , der flüssige Talk verdampfte nur im unteren Teil des Dochtes, während der obere verkohlt und die Flamme zum Blaken bringt. Die Helligkeit verringerte sich in kürzester Zeit auf die Hälfte. Grundstoff für die Leuchten  war Rinder- und Hammelfett. Über die Herstellung von Kerzen gibt das Buch von Samuel Haller aus dem Jahr 1765 unter dem Titel „Werkstätte der heutigen Künste“ Auskunft.





Die  Öllampe

Eine weitere Lichtquelle war die Öllampe, das billigste Leuchtmittel mit geringer Helligkeit und wegen der meist schlecht gereinigten Brennstoffe und Behälter von äußerst unangenehmem Geruch, wie auch die Talglichter.Es waren pflanzliche Öle meistens aus Oliven, Raps oder Rübsamen gewonnen.

Eine Besucherin der Pariser Oper berichtet, dass der sich ergebende Dampf schwarzbraun und dicht, wie aus einer Bierbrauerei in die Höhe stieg:“ Wir mussten ihn einatmen und nicht nur die Zuschauer auch die Sänger und Darsteller wurden von Rauch und Dampf belästigt.“ Nur berühmte und anspruchsvolle Sänger erhielten an der Rampe Wachskerzen. Um die Helligkeit der Bühne und des Zuschauerraumes zu erhöhen stellte man die Kerzen und Öllampen dicht nebeneinander und übereinander. Dadurch entstanden weitere Unzulänglichkeiten. Der Qualm  der Kerzen, der schon das Publikum, belästigte, belästigte in zunehmendem Maß auch die Darsteller. Der Dampf erstickte fast die Flammen und beraubte sie ihrer Helligkeit. Man hüllte die Kerzen und Öllampen in blecherne Kästen, um sie vor der Hitze der anderen Kerzen zu schützen und um ihr schnelles Schmelzen zu minimieren.

Gassenlichter und Unterbühne im Schlosstheater Krumlov

Hohe Kosten für Kerzen

Der schon erwähnte hohe finanzielle Aufwand für Kerzen konnte von den Theatertruppen kaum geleistet werden. In Gesuchen um Spielerlaubnis wurde nicht nur um den Schutz vor anderen Theatertruppen gebeten sondern auch um eine finanzielle Unterstützung für die Beleuchtung gebeten. Aus Rechnungsbüchern des Theaters in Lüneburg, einer einst durch Salzhandel sehr reiche Stadt, geht hervor, dass für alle Schauspieler und es waren ca. 20 Personen, pro Woche 16 Taler aufgewandt wurden und 1 Taler für Kerzen pro Vorstellung. Die Kosten für die Beleuchtung betrugen immer 30 bis 40 % der gesamten Aufwendungen.  

In den Verträgen mit den Schauspielertruppen wurden oft nicht nur die Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung gestellt sondern auch die Kerzen für die Beleuchtung. Nur der Beleuchter mussten bezahlt werden.

Gassenlichter im Schlosstheater Krumlov

Fast jedes Theater beschäftigte einen oder mehrere Lichtputzer. Die während der Vorstellung zu rußen beginnenden Talgkerzen wurden in den Zwischenakten oder auch auf offener Szene geputzt. In Frankreich waren die Lichtputzer beliebte und gern gesehene Leute, die wenn sie ihre Aufgabe mit Sorgfalt und Eleganz erledigten vom Publikum mit Beifall oder Lobessprüchen bedacht wurden.

 

Kronleuchter im Proszenium

In England waren die Lichtputzer bei den rauen Sitten des Publikums oft Zielscheibe grober Witze und übermütiger Tätlichkeiten, wodurch sogar ein Lichtputzer ein Auge verloren haben soll.

Ein für einen erkrankten Schauspieler einspringender Lampenputzer bekam sogar eine positive Zeitungskritik. Ein Kritiker schrieb allerdings über die Lampenputzer:

„Sie richten, puzzen und scheuzen sich vor den Acteurs mit ungeschickter Ungeschicklichkeit, dass sie stanken vor dem Volk“.

Gelegentlich schrieb aber auch ein Lampenputzer für die Zeitungen Kritiken.

Funktionsskizze für die Bedienung der Kronleuchter

Näheres über das Puzen (Putzen) der Kerzen kann man dem Buch von Johann Karl Leuchs „Lichter – Fabrikation“ aus dem Jahr 1840 entnehmen. Es ist also nicht nur das einfache Abschneiden der überlangen Dochte gemeint. Der Lichtputzer hatte bei seiner Arbeit sehr viel zu beachten, damit die Kerzen richtig und möglichst gleichmäßig hell brannten.

Man versuchte, die Beleuchtungskosten durch höhere Ausnutzung des Lichtes zu senken und ihre Helligkeit durch bessere Lampen und Zusammensetzung der Dochte und Mischungen des Wachses zu steigern.

Reflektoren

Die einfachste Verbesserung der Lichtquelle wird bereits 1550 genannt, bestand in einem Schirm, der die Ausbreitung des Lichtes nach allen Seiten verhinderte und dadurch die Helligkeit in eine Richtung verstärkte.Die eigentliche Erfindung, Licht durch eine undurchsichtige, glänzende oder wenigstens helle Platte zu reflektieren, ist wahrscheinlich so alt wie das Theater selbst.                      Schon Serlio schrieb:“ Wenn einmal ein großes und starkes Licht gebraucht wird, setzt man eine Fackel  mit einem neuen und blanken Barbierbecken, dessen Widerschein einen solchen Glanz machen wird, wie die Strahlen der Sonne.“

Zum Abdunkeln oder um Farben zu ändern wurden Glas- oder Blechzylinder benutzt Die Reflektoren waren weiß gestrichene oder mit Flittergold belegte Bretter, auch blanke Bleche aus Eisen, Messing und Kupfer wurden verwandt.

Parabolspiegelscheinwerfer

Den ersten Beleuchtungsspiegel oder auch Parabolspiegelscheinwerfer, der mir bekannt ist entwickelte Andreas Gärtner 1654 bis 1727 ein sorbischer Naturwissenschaftler im Dienste des Dresdner Hofes im Jahr 1710. Ähnliche „Multiplikationsspiegel-Geräte“ wurden 1730 bei den Manöverspielen, dem sogenannten „Zeithainer-Lustlager“, verwandt. Das Gerät hat sich auf Grund der hohen Erstellungskosten in den Opern nicht etabliert. Das einzige existierende Gerät befindet sich in der staatlichen Kunstsammlung Dresden.

Parabolspiegelscheinwerfer von Andreas Gärtner

An dieser Stelle müssen wir nochmal auf die Dämpfe, die Rauchbildung und den Verbrauch der Luft zu sprechen kommen.

In Lauchstädt waren die Fenster vor der Vorstellung und in den Pausen weit geöffnet um den Zuschauerraum zu belüften. Furttenbach bestimmte in seinen Theaterentwürfen Fenster im Zuschauerraum.

In anderen Theatern waren in der Decke Lüftungsklappen eingebaut.

In Mannheim findet sich auf einem Theaterzettel eine Bemerkung, dass zur Erhaltung der Gesundheit dem Hausbeschließer und dem Theatermeister Anweisung erteilt wird, durch Öffnung aller Fenster vor und nach jeder Vorstellung im ganzen Raum des Schauspielhauses die verdorbene Luft aus, und die reine kühle Luft einströmen zu lassen.

Zugeinrichtung für den Kronleuchter mit Abluftschacht

Vieler Orts wurde auch über dem Kronleuchter des Saals ein Lüftungsschacht eingebaut.

An dieser Stelle wollen wir auch an die Brandgefahr in den Theatern mit Kerzen- oder Talgbeleuchtung erinnern.

  

Zeitgenössische Karikatur über die Zustände auf der Bühne

August Fölsch schrieb in seinem 1878 erschienenem Buch „Theaterbrände“:  „in den letzten 100 Jahren sind nicht weniger als 460 Theater ganz abgebrannt, wobei ein Kapital von 500 Mill. Mark vernichtet wurde, mehrere tausend Menschen entweder verbrannt oder erstickt sind. Bei Theaterbränden gibt es keine Zwischenstufen, entweder wird der Brand sofort gelöscht oder es brennt das gesamte Theater ab. Dies eigentümliche Verhalten erklärt sich leicht durch die außerordentliche Feuergefährlichkeit und Brennbarkeit unserer Theater. In dem weiten Bühnenraum, von welchem man immer nur einen kleinen Teil überblickt, das Bühnenbild sich nach rechts links, oben und unten, nach vorn und nach hinten erstreckt. Es sind unglaubliche Mengen an Brettern, Latten, grobem Leinen, Tüllen, leichtem Gewebe, mit Firnis getränktes Papier, Stricke, Kleider, Requisiten sowie Feuerwerkskörper und Raketen auf der Bühne. Alles wird ständig verändert. Und dazwischen hängen und stehen die Talglichter, die Kerzen oder es werden Fackeln über die Szene getragen.“

Goethe fasste es in einem seiner Zahmen Xenien so zusammen:

Was ist denn ein Theaterbau?

Ich weiß es wirklich sehr genau;

Man pfercht das Brennlichste zusammen,

Da stehts denn alsbald in Flammen.


An anderer Stelle bemerkt er nach dem Brand seiner“ Kulturscheune“ 1825 zum Theaterneubau:

„…. Mir kann es ganz recht sein, ein neues Theater ist am Ende doch immer nur ein neuer Scheiterhaufen, den irgendein Ungefähr über kurz oder lang wieder in Brand steckt“


Argand-Leuchten

Die erste große Veränderung in der Beleuchtungstechnik gelang 1784 dem in Genf geborenen Physiker  Argand (1750 bis 1803). Er war ein Schüler von Antoine Laurent de Lavoisier (1743 bis 1794). Laurent de Lavoisier legte 1770 seine Theorie über die Verbrennung der Gase vor. Er kommt zu dem Schluss, dass die Flamme je mehr Luft zugeführt wird heller brennt.

Daraus resultierend entwickelte Argand eine Öllampe mit Runddocht und erreichte dadurch eine bessere Sauerstoffzufuhr und durch die größere Breite des Dochtes ein helleres Licht.

Ein über gestülpten Glaskolben beruhigte die Flamme und schützte gleichzeitig die Umgebung vor einem Übergreifen der Flamme. Hinzu kam die Kaminwirkung im Glaszylinder. Durch einen Drehmechanismus konnte die Dochthöhe und damit die Helligkeit der Lampe geregelt werden.

Theater Charlottenburg Berlin

In Deutschland konnte die Argand-Lampe zum ersten Mal im Zuschauerraum des Theaters im Schloss Charlottenburg eingesetzt werden. Das Theater ist ein Bau des Architekten Carl Gotthard Langhans.

Von ihm wurden auch die in der königlichen Hofoper 1787 nach der Renovierung die Arand-Lampen eingesetzt.

Nach der Eröffnung des Nationaltheaters in Berlin 1802, auch von Langhans gebaut,  wurde der schöne und fröhliche Eindruck erwähnt, den eine reiche und helle Beleuchtung machte.

Carl Gotthard Langhans 1732 - 1808

„Trotz der großen Höhe des Berliner Hauses wurden durch die Lüster mit Argand-Lampen alle Personen von vorne, und außer den obersten, von oben herab beleuchtet. Dieser Beleuchtung, welche jedermann einen reinen Überblick des ganzen Hauses und der Schaulustige gab, ist die angenehme Stimmung zuzuschreiben, die jedermann beseelt, selbst stundenlang, bevor die Vorstellung anging.“

  

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen zu dem Einsatz der Lampen.

„Die Lampen, welche in der Mitte und an den Seiten der Decke hingen, verbreiteten eigentlich weit mehr Licht als die Wachskerzen; aber gewöhnt an die letzteren in größeren Theatern, wo sie auf gläsernen Kronleuchtern eine Hauptzierde ausmache, kann man nicht umhin, bei den Lampen an Sparsamkeit zu denken, welche an solchen Orten missfällt.“

Durch den erhöhten Sauerstoffbedarf der Argand-Leuchten kam es im Theater zu umnehmen Zugerscheinungen, wenn die Lüftungsklappen geöffnet waren. Bei geschlossenen Lüftungsklappen verursachte der Sauerstoffmangel im Theater Kopfschmerzen und gelegentlich kam es im Publikum zu Ohnmachtsanfällen. Mit dem Aufkommen der Argandlampe kam man nicht mehr mit nur einem unqualifizierten Lichtputzer aus. 


Königliche Hofoper Berlin, Umbau nach Langhans

In Berlin an der königlichen Hofoper beschäftigte man den Klempnermeister Heinzel, der auch eine Werkstatt für Kronleuchter und Rüstungen hatte. Seine Firma übernahm auch später die Einrichtung und Wartung der Gasbeleuchtung.

Die Entwicklung des Leuchtgases begann 1681.  Johann Joachim Becher entwickelte Verfahren um aus Kohle Teer und Koks Leuchtgas herzustellen.



Gasbeleuchtung im Theater

Ende des 18.Jahrhundert verwendet William Murdoch erstmals Steinkohlengas zur Beleuchtungszwecken. Er entwickelte auch den ersten Gasometer. Die erste Gaslaterne entwickelte Wilhelm August Lampadius im Jahre 1811. Nach seinem Prinzip wurde1826 in Berlin die Straße Unter den Linden mit Gaslampen beleuchtet.

Am 18.08.1843 brannte in der Nacht nach einer Vorstellung die königliche Hofoper durch eine Unachtsamkeit des technischen Personals ab. Zu vor war in Berlin das königliche Schauspielhaus am 29.07.1817 wahrscheinlich auch durch Unachtsamkeit der Lampenputzer abgebrannt.

Karl Ferdinand Langhans 1782-1869

Der Architekt Carl Ferdinand Langhans baute auf Anweisung der preußischen Königs die Oper in verhältnismäßig kurzer Zeit auf. Dabei hatte er die Gelegenheit die Beleuchtung des Theaters in Gänze auf Gaslicht umzustellen. Das Gaslicht ermöglichte erstmalig eine zentralgeregelte Beleuchtung auf der Bühne. Das regelbare Gaslicht wurde nun auch als dramaturgisches Mittel eingesetzt und führte zu Reform auf der Bühne und im Bau von Bühnenbildern. Zu diesem Thema geben die Briefe und Entwürfe von Schinkel an Iffland einen Einblick. Schinkel konnte erst nach dem Tod von Schinkel mit seinen Entwürfen zur Zauberflöte und dem späteren Neubau des Schauspielhauses in Berlin Maßstäbe setzen. Die Zauberflöte in der Staatsoper Berlin nach den Entwürfen von Schinkel hat mit dem Anliegen von Schinkel nichts gemein.

Die Theater verloren dadurch aber ihre Unabhängigkeit in Bezug auf die Beleuchtung, sie wurden abhängig von  den örtlichen Gasunternehmen.

Königliche Hofoper Berlin 1844 Kronleuchter mit Gasleuchten

Es kam gelegentlich zu Engpässen, weil die Gasdruckbehälter nicht genügend Gas vorrätig hatten, sodass viele Theater eine gemischte Beleuchtung hatten, ein Teil Argand-Leuchten und ein Teil Gas-Leuchten. Langhans baute deshalb für die königliche Hofoper Berlin eine eigene Gasversorgung auf. Die Positionen der Beleuchtungskörper auf der Bühne veränderten sich gegenüber der Kerzenbeleuchtung immer noch nicht.

Die Einteilung in Fußrampe, Seiten – und  Portallicht, Oberlicht, Soffittenlicht sowie Versatzleuchten blieb für die ganze Zeit der Beleuchtung bestehen.

Königliche Hofoper Blick von der Bühne

Ab 1827 war es möglich die Bühnenbeleuchtung zu regulieren. Die zentrale Gasregulierung ließ ein Aufblitzen und ein Abdunkeln einzelner Gaslichter zu. Man war jetzt auch in der Lage die Farbe der Bühnendekoration zu verändern Es begann die erste Arbeit an der Lichtregie. Fast zur gleichen Zeit, in der das Leuchtgas eingeführt wurde, wurde auch das Kalklicht entwickelt sowie 1849 die erste elektrische Lichtbogenlampe auf der Bühne verwendet. Deshalb ist es zur Ausbildung eigener Gaslichtscheinwerfer nicht gekommen.

Auch wurde man sich der Feuergefährlichkeit der Gasbeleuchtung bewusst. Schinkel lehnte in einem Theatergutachten die Verwendung von Gaslicht für die Bühne ab. Es wurde vorgeschlagen eine Sachkundigen zu fordern, der für das Zünden, Öffnen und Schließen der Gashähne auf der Bühne zuständig war. Begründung: „….da viele Räume einer großen Anzahl roher mutwilliger Personen zugänglich bleiben, von denen man sich absichtliche Beschädigung der Rohre versehen kann.“

Die Kalklichtleuchte

Die Kalklichtlampe wurde 1826 vorgestellt, bei der eine Gasflamme, die auf ein Stück Kalk gerichtet wurde und dieses zu intensivem Leuchten brachte.

Kalklichtleuchte

Aufgrund des gleißenden Lichtes wurde das Kalklicht auch als Leuchtfeuer für die Seefahrt eingesetzt. Um die Leuchtkraft zu erhöhen wurde Wasserstoff und Sauerstoff getrennt auf den Kalkstein geblasen und gezündet. Es bestand immer die Gefahr einer Knallgasexplosion. Viele Künstler bedienten sich dieses Lichteffektes.


Traumerscheinung mit Hilfe von Kalklicht in London 1855

Die Kalklichtleuchte wurde später von der Bogenlichtlampe abgelöst. In dieser Zeit wurden weltweit immer größere Theater gebaut, mit Zuschauersälen mit 2 bis 3 Tausend Besuchern. Hier ist darauf hinzuweisen, dass die Angaben über die Kapazität der Theater des frühen 18. Jahrhunderts davon ausgingen, dass die überwiegende Zahl der Besucher stand und nur der Adel saß. An der Sicherheit für das Publikum und Akteure wurde nicht gearbeitet. Noch immer gilt das vorher berichtete über die Schlamperei im Theater. Nur so sind die Brandkatastrophen in  Chicago und Wien zu erklären. Das Ringtheater in Wien hatte allein im Kronleuchter 330 Gasflammen. Am 07.12.1881 brach 7 Minuten vor Beginn der Vorstellung der Brand aus. Die 1.700 Besucher erwarteten die Aufführung von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“. Das Theater brannte in kürzester Zeit ab. Es wurden nur die 384 Toten gezählt von den Verwundeten sprach keiner.

Brand des Ringtheaters in Wien am 8. Dezember 1881

Was war passiert: Ein Beleuchter zündete mit einer langen Stange, an der ein Spiritusbrenner befestigt war die Gas-Soffittenlichter an.  Die Flamme erfasste einen Tüllhänger, der sofort lichterloh brannte. Die Kataststrohe nahm ihren Anfang.

Ähnliches ereignete sich am 30.12.1903 in Chicago. Durch unsachgemäßen Umgang mit dem Gaslichte brach kurz vor Beginn der Vorstellung, die von ca. 1.700 Menschen besucht wurde, das Feuer aus. Innerhalb einer halben Stunde verbrannten oder erstickten 571 Menschen. Der Sachschaden betrug 250.T$.  

Brand des Iroquois Theaters in Chicago am 30. Dezember 1903

In dem Gerichtsprotokoll um den Ringtheaterbrand findet sich folgende Aussage des Schauspieldirektors:„ Für mich, ich muss es gestehen, ist dieser technische Leiter eine mythische Persönlichkeit. Der müsste, wenn ich Sie richtig verstehe, alle Kenntnisse und Kräfte des Bühnen-, Beleuchtungs- und Garderobe- Inspektors, des Inspizienten vereinen. Ich glaube kaum, dass es einen solchen Mann gibt. Ich habe einen Arbeiter gehabt, der die Beleuchtung zu besorgen hatte. Der Mann hatte die Lampen anzuzünden voilá tuot….“ Durch die Erfindung des Glühstrumpfes von Carl Freiherr von Welsbach (1858 bis 1922), ein Mitarbeiter von Wilhelm Bunsen, verbesserte sich die Lichtausbeute des Gases und verringerte durch den Wegfall der offenen Flamme das Brandrisiko wesentlich. Frau Lisa Weiß beschreibt in ihrer Magisterarbeit auf dies Probleme hin und beschreibt sehr genau auch die Einfärbungen von Gaslicht. Ihre Arbeit unter dem Titel „Von der Rampenbeleuchtung zur modernen Theaterarbeit“ ist im Internet zu finden. Die Ära der Gasbeleuchtung im Theater währte von ca. 1826 bis ca. 1910. Dann wurde das Gaslicht im Theater per Gesetz in Deutschland verboten.

Abriss der Gasbehälter an der Staatsoper 1927











Erster Paragraph der Polizeibauordnung lautet: „Die Beleuchtung muss elektrisch sein.“

In der Zeit des Gaslichtes auf der Bühne gab es schon die ersten Versuche mit dem elektrischen Licht. 1792 soll es die erste Bogenlichtlampe gegebenen haben von Johann Halle (1727 bis 1810) über deren Funktionsweise ist nichts bekannt. Die erste schriftliche Erwähnung stammt von 1800.   

Die Lichtbogenlampe

Der Brite Humphry Davy führte zwei elektrisch angeschlossene Kohlestifte aufeinander bis die überspringenden Elektronen einen Lichtbogen ergaben. 1809 stellte er seine Lichtbogenlampe vor.

Die Verwendung der Kohlebogenlampe auf der Bühne bedeutete den Beginn einer Lichtregie. Zusätzlich zur Bühnenerhellung konnte man Lichteffekte erzielen, die Personen oder Gegenstände besonders hervorhoben. Man konnte im Dunkel der Bühne eine Person mit dem Scheinwerfer verfolgen.

Das Bogenlicht fand auch in der Hinterleuchtung von Prospekten seine Anwendung. Es entwickelte so die Projektionsmalerei. Schwierigkeiten gab es durch die unterschiedliche Spektralverteilung von Argand-Leuchten und des Gaslicht. Die Blaustrahlung des Bogenlichtes warf gegenüber dem rötlich-gelben Licht der Gasleuchte Probleme bei der Farbgestaltung der Dekoration und der Kostüme auf.

Ihre epochale Bedeutung bekam die Lichtbogenlampe durch die Uraufführung von Meyerbeers Oper „Der Prophet“ am 16.04.1849 in der Pariser Oper. Fortan wurde die Lichtbogenlampe nur die „Prophetensonne“ genannt.

Bogenlampe für Projektion

Mit diesem Effektgerät in ihre Auftritte eingebaut, gingen viele Künstler Europas und Amerikas auf ihre Tourneen. Ungefähr um 1880 ließ Berlin die 1826 gebaute Gasbeleuchtung auf der Straße „Unter den Linden“ durch Lichtbogenleuchten von Werner von Siemens austauschen.

Am 17.01.1867 trug Werner von Siemens der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin seine Erfindung die Dynamo-Maschine vor. Sie ermöglichte die Umwandlung von Arbeitskraft in elektrischen Strom ohne permanente Magnete.Die Erfindung war die Voraussetzung für eine technisch und wirtschaftlich durchführbare Erzeugung elektrischer Energie in jeder gewünschten Menge und zu jeder Zeit.

Elektrische Beleuchtung

Am 19.10.1879 gelang Thomas Edison die Herstellung einer Kohlefadenlampe. Beide Erfindungen waren die Grundlage für die Bühnenbeleuchtung mit elektrischem Licht. In Deutschland wurden die ersten Versuche in der königlichen Hofoper Berlin vom techn. Direktor Fritz Brandt 1882 unternommen. Er hatte die ersten beiden Kulissen mit zusammen 48 Glühlampen versehen und einige Wochen zur Probe brennen lassen.

Die Anlage, die in Verbindung mit der Firma Siemens & Halske gebaut worden war, verfügte über eine Rampe im Dreikammersytem, das heißt für die Farben Weiß, Rot und Grün war jeweils ein eigener Stromkreis vorhanden.

Es gelang ohne mechanische Veränderung ein Farbwechsel oder ein Mischen der Farben. Alle Lampen konnten über einen Widerstand in ihrer Helligkeit geregelt werden. Die endgültige Einrichtung mit einer elektrischen Beleuchtung im Berliner Opernhaus erfolgte erst im Jahre 1887.

Elektrizitätswerk für das Nationaltheater und die königliche Hofoper Berlin

Zuvor wurde das Nationaltheater (heutige Konzerthaus) mit elektrischer Beleuchtung versehen. Für beide Häuser wurde in der Markgrafenstr. am Gendarmenmarkt von der Firma AGE ein Generatorenhaus gebaut. Es standen auf ca. 400 m² Fläche 12 Generatoren, die durch Dampfmaschinen angetrieben wurden. Spätestens nach der dritten Internationalen Elektrizitätsausstellung 1882 in München begann der Siegeszug der elektrischen Beleuchtung.


Versuchsbühne 3. Internationale Elektrizitätsausstellung München 1883

Bevor in weiteren Aufsätzen über den Einfallsreichtum der Beleuchtungstechniker berichtet wird muss auf zwei Probleme hingewiesen werden, auf ein Künstlerisches und ein Technisches. Wurde es im Laufe der Vorstellung durch die Kerzenlichter und dann durch die Gasleuchten unerträglich warm im Theater, blieb das Theater bei elektrischer Beleuchtung weitestgehend kühl.Der Einbau von Heizungen wurde erforderlich.

Das Künstlerische war, dass die Akteure anders geschminkt werden mussten, die Farbgebung der Kostüme und der Dekoration musste feiner gestaltet werden. Alles musste durch das starke Licht verfeinert werden auch die Schauspieler, die im Halbdunkel und der schlecht ausgeleuchteten Bühne überdeutlich sprechen, artikulieren und sich bewegen mussten, mussten ihre Sprech- und Spielweise verändern. Ein Zeitungsbericht schreibt von der ersten Probe mit elektrischem Licht im Nationaltheater Berlin  „….und morgen Abend werden die Schauspieler und Schauspielerinnen Schminkproben machen, um die dem neuen Licht entsprechende Charakteristik zu erfahren.“ Von der Aufführung wird berichtet: „Die Züge der Schauspieler erscheinen lebhafter und beseelter, die Farben der Kostüme und Dekoration – soweit sie überhaupt noch nicht verblast sind, geben sich satter und intensiver, als bisher. Die Temperatur des Hauses ist vortrefflich.  

Die mechanische Verrieglung war aber immer noch mechanisch wie in der Zeit des Barock.

Zurück in die Zeit der Kerzenlichter in den Theatern. An dieser Stelle muss kurz von einer Künstlerin gesprochen werden, die inzwischen leider keine Beachtung mehr findet, obwohl als Engel auf der Kühlerhaube von Luxusautos zu finden ist und der Maler Toulouse-Lautrec sie oft und gern gemalt hat. Es ist dies die Tänzerin Marie Louise Fuller (1862 bis 1928) sie verband als erste Ausdruckstanz mit einer ausgeklügelten Beleuchtungsdramaturgie. Um sich vor Nachahmern zu schützen ließ sich ihre Tänze, Kostüme Dekoration und Beleuchtung patentieren. Allein ihr sollte ein Artikel gewidmet werden.

Im 18. Jahrhundert stand dem gesellschaftlichen Ereignis im Mittelpunkt, weniger die Opernaufführung selbst. Der Zuschauerbereich, die Logen, Umgänge und Foyers waren luxuriös beleuchtet. Besonders der Saal mit den Kronleuchtern. Er ermöglichte auch die Beleuchtung des Orchesterbereichs und der Vorbühne. Das Bühnenlicht wurde zur Hinterbühne immer schwächer. Die Akteure waren gezwungen möglichst nahe an der Bühnenrampe durch überdeutliche Sprech- und Spielweise auf sich aufmerksam zu machen.

Das Publikum wurde gesehen und konnte sehen sowie das Textbuch lesen. Um das Interesse des Publikums mehr auf die Bühne zu lenken, begann man durch heraufziehen der Kronleuchter den Saal abzudunkeln. Das führte zu großen Protesten, selbst Langhans und Schinkel sprachen sich gegen das Abdunkeln des Saales, auch Richard Wagner war gegen das Abdunkeln. Erst langsam setzte es sich durch, den Zuschauerraum zu Beginn der Vorstellung abzudunkeln.  

Meinen Ausführungen können Sie entnehmen wie die Veränderung der Lichtquellen von der Kerze bis zur elektrischen Glühlampe, von der mechanischen Regelung zur elektrischen Regelung die Spielweise auf der Bühne verändert hat.  

In Berlin gibt es einen Verein der historischen Aufführungspraxis. Zur Eröffnung der Ausstellung „Faszination des Theaters“ von Klaus Wichmann und der Initiative Theatermuseum Berlin in der Marheineke Markthalle in Berlin von Dezember 2013 bis Januar 2014 hat Herr Niels Niemann, Spezialist für historische Theaterpraxis, eine Kostprobe historischer Theaterkunst gezeigt.  

Niels Niemann auf der Barockbühne der Initiative Theatermuseum Berlin Foto Dr. Stefan Gräberner

Seit Januar 2015 gibt es auf Antrag von Klaus Wichmann in der DTHG eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Geschichte der historischen Theatertechnik beschäftigt. Ich glaube und bin zuversichtlich, dass es möglich ist, die Techniken und Künste des Theaters in der Werkstatt für Theatergeschichte zusammen zu führen. In Berlin setzt sich der Verein „Initiative Theatermuseum Berlin“ für die Gründung eines Theatermuseums ein. Hier hat sich eine Zusammenarbeit mit der DTHG ergeben.


Ausstellung "„Faszination des Theaters“ von Klaus Wichmann und der

Initiative Theatermuseum Berlin in der Marheineke Markthalle in Berlin



 

Alle Fotos bis auf Nr. 3 von Dr. Stefan Gräbener